Bei der CrossDM abgeräumt

Gold - Silber - Bronze

CIS-Athleten zeigen sich bärenstark bei der Deutschen Meisterschaft im CrosstriathlonGruppe1

Unser Bernd hat wieder einen tollen Bericht verfasst:

 

Gold, Silber, Bronze – die Story der Deutschen Meisterschaft im Crosstriathlon 2016 und so…DSC 0397

 

Zugegeben, jemanden gut zuzureden ist häufig aussichtlos, wer schon Kinder in die Welt gesetzt hat, weiß wovon ich rede. Umso erfreulicher, dass es manchmal doch klappt, vor allem wenn als Ergebnis drei Titel bei deutschen Meisterschaften herauskommen.

Nun mach ich seit gut zwei Jahren wieder Triathlon und die Versuchung 12 Jahre MTB Sport nicht ganz im Nirvana verschwinden zu lassen, lässt sich einfach nicht leugnen. Da ist es ein Segen, dass sich der Triathlonvirus zwischenzeitlich auch im Gelände breit gemacht hat. Mit den Xterra Serien werden weltweit anspruchsvolle Rennen angeboten, die von den Streckenlängen meist vergleichbar mit Kurzdistanzen sind. Da eben im Gelände Rad gefahren und gelaufen wird, verschiebt sich der Anteil der Rad- und Laufleistung hier etwas zu Lasten des Schwimmanteils. Man kann auch sagen, der „bin vollkommen fix- und fertig Faktor“ liegt in etwa auf dem Niveau einer Mitteldistanz auf der Straße. Bernd2

Mit dem Austragungsort Zeulenroda in Thüringen hat die DTU eine gute Wahl für die DM getroffen. Vor zwei Jahren als „Vogtlandchallenge“ aus der Taufe gehoben, etablierte sich das Event bereits im ersten Jahr zu einem vorbildlich organisierten Wettkampf, der sich neben dem schon lange etablierten Kultrennen „O-See-Challenge“ in Zittau zu einem Hot Spot der Crosstriathlonszene entwickeln konnte. Nachdem ich 2014 bereits bei der Premiere dabei war lag die Versuchung auf dem Präsentierteller, dort heuer bei der DM mitzumachen. Blöd nur, dass am gleichen Tag Piratentriathlon in Amberg ist und mein Junior dort wieder an den Start geht, da kommen eben Gewissensbisse, ob man das wieder durchziehen soll.

Die Entscheidung erleichterte Kollege Felix Sommerer, den ich urplötzlich in der Startliste fand. Da ich nun nicht als „Einzeller“ mitmachen musste und der Herr Junior bei den Powerspeedies inzwischen auch mal Problemlos alleine mit auf Wettkämpfe fährt und mit seinen acht Jahren das Talent hat, den ganzen Bus zu unterhalten, war der Konsens gefunden. Bleibt nur die Frage, reichen zwei, oder gibt es noch mehr? Immerhin haben wir 2015/16 das Projekt Triathlonvorbereitung im Gelände über den Winter erfolgreich abgeschlossen. Da waren ja immer deutlich mehr als nur zwei im Training und die bisherigen Ergebnisse auf der Straße zeigen, dass sich diese Vorbereitung rentiert hat.

Leuten aus der Rubrik Außendienstler in der Versicherungsbranche sagt man gerne nach, sie würden ihre „Opfer“ so lange zulabern, bis diese geistig vollkommen entkräftet unterschreiben um endlich wieder ihre Ruhe zu haben. Abgesehen davon, dass sich diese Methode in der Praxis noch nie nachhaltig war, habe ich mal frühzeitig gelernt, dass nur das Gegenüber durch eigenes Tun und Handeln festlegt, was läuft und was nicht. Anscheinend bin ich daher auserkoren, auch harte Herausforderungen in der Überzeugungsarbeit meistern zu wollen. Claudia1

Zaghafte Versuche „du im Juli ist Deutsche Meisterschaften im Crosstriathlon“ differenziert gestreut über ein halbes Jahr brachten nicht den gewünschten Erfolg. Daher also drei Tage vor Meldeschluss nach einer MTB Einheit zu dritt beim Abschlussbierchen im Kult die Taktik auf „Frontalangriffsmodus“ umgestellt. Leute mit Talent muss man eben etwas nachhelfen, vor allem wenn zwei davon mit am Tisch sitzen. Nach dreißig Minuten Dauerüberzeugungsarbeit kam schließlich von unserer allseits geschätzten Lauf- und Hallentrainerin Clauda Mai: „Ok, ich meld mich an“. Einen Tag Später vom designierten Kassier Tim Pößnicker per Whats App: „Im Vogtland werden 4 Betten benötigt“. Na also, geht doch…

Los ging´s am Freitagmittag, mit zwei Fahrzeugen voller Material ab ins Vogtland, eine Gegend, die mir emotional recht nahesteht, ganz aus der Nähe stammte einer meiner Großväter, dem ich einiges zu verdanken habe und eine Sache hat sich bei mir auch noch nicht geändert: Immer wenn ich über die Saalebrücke bei Hirschberg über die ehemalige innerdeutsche Grenze fahr, habe ich ein mulmiges Gefühl wegen der Grenzkontrollen wie das bis zur Wende bei Berlin-Trips üblich war. Glücklicherweise gehöre ich einer Generation an, die anschließend Zeiten erleben durfte, in der man versucht hat, Grenzen zu überwinden und Kulturen zu verbinden und nicht so wie heutzutage wo man immer mehr den Eindruck hat, die Welt bewegt sich zurück ins Mittelalter.

Gegen 16.30 Uhr nach den üblichen Freitagnachmittag - Staus im „Bio-Seehotel Zeulenroda“ angekommen, gleich Zimmer bezogen und die Räder aus dem Auto und ab zum Strecke abfahren. Es gibt wenig Wettkämpfe auf der Welt, wo man direkt neben dem Start/Ziel Bereich ein Hotel vorfindet, wo vier Leute auf ca. 80m2 Gesamtfläche incl. Frühstück mit allen Schikanen für insgesamt gute 200 Euronen nächtigen können und die Zimmer am Wettkampftag bis nach 16 Uhr noch zum Duschen nutzen konnten. Danke an dieser Stelle nochmal an das engagierte Hotelpersonal. Nach der Besichtigungstour, die nicht nur für die drei Neuen durchaus von Vorteil war, kam das übliche DM-Wettkampfbriefing + Nudelparty, was durch eine gelungene Moderation durchaus kurzweilig war. Nudeln sind gut, Thüringer Rostbratwurst ist besser, entgegen sonst üblicher Gepflogenheiten musste das einfach sein. DM hin oder her.

Leider wurde der anschließende Abend im Biergarten vor dem Schwimmstart am Sandstrand des „Zeulenrodaer Meeres“ – so nennt man dort den Stausee, in dem das Schwimmen stattfand - von den tragischen Ereignissen in München überschattet. Zumal zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen unklar war, was eigentlich los ist. Es gab daher schon schönere Abende vor einem Wettkampf als diesen. Es wäre auch reichlich unnatürlich, wenn man sich in solchen Situationen keine Gedanken machen würde.

Nächster Tag, Frühstück, letzte Wettkampfvorbereitungen, Einchecken in den beiden Wechselzonen. Bereits am Morgen war die Luft schwülwarm, man schwitzte schon regelrecht im Stehen. Wäre permanent so ein Wetter, Saunabetreiber gingen ruckzuck pleite. Kurzum, nicht für jeden das beste Wetter, um an dem Tag Topleistungen abzurufen. 11 Uhr Schwimmstart, Felix mit der Spitze voraus, Tim im Mittelfeld, ich bilde mir ein ganz gut unterwegs zu sein und war zunächst erst mal enttäuscht von der Schwimmzeit. Dass die Strecke wohl länger war als 1500m war zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Bei den Damen, die fünf Minuten später gestartet waren, war Claudia bei ihrem ersten „richtigen“ Freiwasserschwimmen gut unterwegs und erreichte bereits im vorderen Drittel wieder festen Boden. Felix3

Rauf aufs Bike, Felix lässt vorne nicht locker und zeigt den semiprofessionellen Herren auf ihren mit neuester Stand der Technik ausgerüsteten Wettkampfbikes mit seinem inzwischen leicht antiquierten 26 Zoll-Hardtailhobel wo der Hammer hängt. Ich konnte dann auf dem Rückweg der ersten Runde an Tim vorbeiziehen, der ebenfalls gut unterwegs war. Auf Herrn Sommerer aufzuschließen wie heuer beim Einstand am Crossduathlon in Dietldorf war hingegen nicht möglich. Am Ende sollte sich herausstellen, dass ich nur ca. 15 Sekunden schneller unterwegs war als er. Das Küken wird erwachsen und der alte Mann wird alt. Den Vogel auf der Radstrecke abschießen war jedoch Claudia überlassen, sie fuhr mit konstantem Druck die 35km lange MTB Strecke mit ihren knapp 900 Höhenmetern, die zahlreiche technische Abfahren inklusive Schlammgrube und – weit anstrengender – ständige Rhythmuswechsel verlangte. Am Ende gelang ihr die mit Abstand schnellste Radzeit bei den Damen.

War die Kraft nach dem Radfahren schon aus den Beinen abgesaugt worden, folgte nun das finale Plattmachen auf der abschließenden Laufstrecke. Der 3,3 Km lange Crosslaufkurs war dreimal zu durchlaufen und gegenüber 2014 noch mal verschärft worden. So gab es nun zwei Anstiege pro Runde, insgesamt gute 300 Höhenmeter, die zu überwinden waren. Felix zog irgendwann, immer noch Vollgas unterwegs, an mir vorbei. Am Ende gelang ihm nach 2:41:12 h der zweite Platz in der AK 20-24, das bedeutete den deutschen Vizemeistertitel in seiner Altersklasse.

Lauftechnisch konnte ich gegenüber 2014 gut zulegen, das Radfahren zuvor war diesmal nicht ganz so druckvoll, vermutlich war´s das Saunawetter. In der letzten Laufrunde war eine Zeit von unter drei Stunden noch in greifbarer Nähe, was am Ende mit einer Zeit von 2:59:32 h auch gelang. Einen Platz auf dem Treppchen hatte ich mir angesichts der Meldeliste von vorneherein nicht ausgerechnet, Platz acht in der AK 45 -49 war dann schon leicht krass. Mit der Zeit wäre in der AK drunter der dritte und in der AK drüber der erste Platz herausgesprungen. So ist das eben mit den geburtenstarken Jahrgängen. Vor dreißig Jahren haben wir uns um wenig freie Lehrstellen geprügelt, heutzutage prügeln wir uns um Altersklassenmedaillen.

Vollkommen fertig erreichte Tim nach 3:08:26 h das Ziel. Von Zweifeln geplagt, ob beim Einstand über eine längere Distanz gleich die Crossvariante das richtige ist, ging er den gesamten Wettkampf etwas verhaltener an, konnte aber eine konstante Leistung über die gesamte Distanz abrufen. Ihm gelang dann das, was bisher kaum einer geschafft hat, nämlich gleich mal Platz drei in der Altersklasse bei Deutschen Meisterschaften. Gespannt warteten wir nun auf die erste Dame, die kurz darauf ins Ziel schoss und waren gespannt, wie sich Claudia in dem Rennen schlägt. Auf der Laufstrecke stets auf Tuchfühlung zur amtierenden Deutschen Juniorenmeisterin Anna-Pauline Saßerath vom SC Bayer 05 Uerdingen verteidigte sie ihren dritten Gesamtrang bis in ins Ziel. Nach 3:10:53 h stand fest: Die neue deutsche Meisterin im Crosstriathlon in der AK 25-29 heißt Claudia Mai!

Damit haben wir als Team die Erwartungen weit übertroffen. Jetzt mach ich seit über 25 Jahren Leistungssport und hab viel erlebt, aber so ein Endergebnis hat echt Seltenheitswert. Von der Stimmung danach ganz zu schweigen – daran hatte kurioserweise auch die Dopingkontrolle für jemanden von uns seinen Anteil… Nun ja, für einen sauberen Sport auf jeden Fall ein unbedingtes Muss. Aber was tun, wenn nach über zwei Stunden nicht das aus einem rauskommen mag, was die wirklich netten Betreuer von der NADA gerne hätten? Lösung: Drei Liter Flüssigkeit, in der Mischung aus Wasser, Bier, Kaffee in sich reingeschüttet brachten schließlich den gewünschten Erfolg. Wer von uns nun dieses Vergnügen hatte, verrat ich hier nicht….Tim1

Damit war dieser Wettkampf einer von der Sorte, die alle wohl im Gedächtnis behalten. Mal sehen was wir künftig im Crosstriathlon noch alles reisen. Spaß hat´s jedenfalls allen gemacht. Und der zweite Platz von Felix in der Regionalliga am Tag drauf beweist ja, so verkehrt kann´s auch für so was nicht gewesen sein. Lockerer wird’s sicherer auch nicht – zu Hause angekommen wies mich der Herr Junior gleich mal darauf hin, dass er beim Piratentriathlon erster war… „Und du nur achter“. Also wird’s wohl vorerst nichts mir der Karriere als Vereinsfunktionär…Das Leben bleibt hart.

Bernd Hagen